Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bis heute mehr als 4,7 Millionen Menschen durch SARS-CoV-2 gestorben. Das neuartige Coronavirus hat tiefe Einschnitte im täglichen Leben von Menschen auf der ganzen Welt hinterlassen und enorme wirtschaftliche Schäden angerichtet. Dabei war Corona höchstwahrscheinlich nicht die letzte, sondern die erste große Pandemie des 21. Jahrhunderts. Wichtig ist deshalb, aus den Infektionswellen für die Zukunft zu lernen.

Vor einer Pandemie steht immer eine Epidemie. Von einer Epidemie sprechen Epidemiologen, wenn sich immer mehr Menschen in einer Region mit einem Virus anstecken. So wie beim Ausbruch des neuen Coronavirus SARS-CoV-2, als das Virus fast ausschließlich in der chinesischen Provinz Hubei und in China auftrat.

Wann genau sich der erste Mensch dann mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infizierte, ist nach wie vor unklar. Die ersten offiziell bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Erreger waren Anfang Dezember 2019 in der zentralchinesischen Metropole Wuhan erfasst worden. Experten nehmen aber an, dass das Virus schon lange davor bei Menschen kursierte. Diese Vermutung äußerte auch das Ermittlungsteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das im Januar und Februar in China nach dem Ursprung des Virus gesucht hatte.

„Eine Pandemie ist die weltweite Ausbreitung einer neuen Krankheit“

Leicht übertragbar

Ist ein Virus so ansteckend, dass es sich über die Ursprungsregion hinaus ausbreitet, wird aus der Epidemie eine Pandemie. Wann genau dieser Übergang stattfindet, ist schwer zu definieren. „Eine Pandemie ist die weltweite Ausbreitung einer neuen Krankheit“, erklärt die WHO pauschal.

Die 5 tödlichsten Infektionskrankheiten

1. Prionenerkrankung
(Creutzfeld-Jakob)
100 %
2. Ebola
50 – 90 %
3. Tollwut
92 %
4. Schlafkrankheiten
10 – 70 %
5. Krim-Kongo-Fieber
50 %
0 %
50 %
100 %
Sterblichkeit

Am 13. Januar wurde in Thailand der erste Fall außerhalb Chinas bestätigt, zehn Tage später gab es in den USA den ersten Infizierten außerhalb Asiens. Es dauerte nur wenige Wochen, bis die Infektionskrankheit COVID-19 viele weitere Länder erfasste und Infektionen mit dem neuartigen Erreger letztlich weltweit verbreitet waren. Am 11. März 2020 stufte die WHO die Krankheit COVID-19 als Pandemie ein. Zu diesem Zeitpunkt waren mehr als 118.000 Menschen in über 110 Ländern betroffen. Weil jeder Infizierte oft mehr als eine andere Person ansteckt, steigen die Fallzahlen bei Viruspandemien dann exponentiell an.

„Die SARS-CoV-2-Pandemie traf uns so hart, weil mehrere unglückliche Faktoren zusammenkamen“, erläutert Dr. Christian Hintze, Director Medical & Scientific Affairs bei Roche Diagnostics Deutschland. „SARS-CoV-2 ist zwar weniger tödlich als SARS-CoV-1, den wir bereits seit fast 20 Jahren kennen, aber die Symptome entwickeln sich erst Tage nach der Ansteckung. Dadurch können infizierte Menschen viele andere anstecken – ohne es zu bemerken. Zudem ist SARS-CoV-2 ein respiratorischer Erreger, er wird ausgehustet und so in die Luft verbreitet.“ Ein weiterer Verbreitungsfaktor sei die Globalisierung. Flugzeuge und Schiffe hätten mit dem Virus infizierte Personen schnell um die Welt getragen, ergänzt Dr. Christian Hintze. „Stark verlangsamen oder stoppen können hätte man die Pandemie im Grunde nur, indem man den Zug-, Schiffs- und Flugverkehr vollständig über einen langen Zeitraum einstellt. In unserer vernetzten Welt ist das allerdings vollkommen undenkbar.“

Die Sterblichkeitsrate
bei SARS-CoV-2:

Stand: Juli 2021
8.6

Mexiko

3

Italien

2.4

Deutschland

Es gibt immer wieder neue Infektionskrankheiten, die sich in der Menschheit ausbreiten. Auslöser sind Viren oder Bakterien. Manche Erreger bleiben lokal begrenzt, andere wandern um die ganze Welt und lösen dann eine Pandemie aus. Die saisonale Grippe beispielsweise breitet sich jeden Herbst und Winter auf der Nordhalbkugel aus. Da sich die jährlichen Grippeviren aber relativ ähnlich sind, kann sich das Immunsystem in der Regel dagegen wehren. Auch ein Impfstoff lässt sich jedes Jahr aufs Neue finden. Alle dreißig oder vierzig Jahre passiert es allerdings, dass sich ein Influenzavirus durch Mutationen drastisch wandelt und plötzlich zum Problem wird.

„Nur ein bis fünf Prozent der Viren kennen wir bereits“, analysiert Dr. Christian Hintze, „es gibt also noch viele Unbekannte.“ Zudem entwickeln sie sich stetig weiter und greifen das Immunsystem des Menschen immer wieder auf andere Weise an. Eine Studie in 30 Ländern und 60 Städten fand an unterschiedlichen Oberflächen von Bahnhöfen und Krankenhäusern über 10.000 unbekannte Viren und 700 Bakterien.

Bisher unbekannt

Entscheidend für eine Pandemie ist aber, dass es sich im Prinzip um ein völlig neues Virus für den Wirt Mensch handeln muss und dass der Immunschutz gegen dieses Virus fehlt.

Wie genau SARS-CoV-2 auf den Menschen überging, ist nach wie vor ungeklärt. Ein Großteil der Experten weltweit geht davon aus, dass das Virus von Fledermäusen über einen noch unbekannten Zwischenwirt – etwa Marderhunde in Pelztierfarmen – auf den Menschen übertragen wurde. Immer wieder springen Krankheitserreger von Tieren auf Menschen über. Zoonosen heißen solche Infektionskrankheiten. Sie nehmen weltweit zu. Denn Bevölkerungswachstum und Naturzerstörung, Artensterben und Klimawandel fördern ihre Entstehung und Ausbreitung. Virologen gehen davon aus, dass es weltweit etwa 40 Viren gibt, die Pandemiepotenzial hätten. Tiere können diese Viren in sich tragen, ohne daran zu erkranken. Kommen sich Mensch und Tier zu nah, kann es zu einer Übertragung kommen.

„Nur ein bis fünf Prozent der Viren kennen wir bereits“

Zu den wohl bekanntesten Infektionskrankheiten gehören Cholera, Masern, Polio, Pest, Malaria, Dengue, Ebola, HIV/AIDS, die Spanische Grippe und nun auch COVID-19. In jüngerer Vergangenheit zählten aber auch die Schweinegrippe H1N1 und die Vogelgrippe H5N1 zu den Pandemien. Außerdem kam es 2017 in Madagaskar erneut zu einem Pest-Ausbruch.

Erregern immer schneller auf der Spur

Masern:
200
Jahre
Entdeckung erster Symp­to­me bis zur Iden­tifi­kation des Erregers
Polio:
160
Jahre
Zuordnung zu einem Erreger
Mumps:
10
Jahre
Zuordnung zu einem Erreger
Coronavirus:
2
Wochen
Erste Merkmale bis zur voll­stän­digen Genom­se­quen­zier­ung

Prävention und Analyse

Corona war höchstwahrscheinlich nicht die letzte, sondern die erste große Pandemie des 21. Jahrhunderts. MERS, ein anderes SARS-Virus, Prionen, Bakterien oder multiresistente Keime könnten das Potenzial für die nächste Pandemie haben. Dr. Christian Hintze tippt auch auf ein Bakterium, gegen das die derzeit verfügbaren Antibiotika nicht wirken. „Wir brauchen deshalb mehr Reserveantibiotika, die im Notfall eingesetzt werden können.“ Reserveantibiotika werden nur für den Ernstfall zurückgehalten – schlagen die üblichen Antibiotika bei einem Patienten nicht an, da er bereits Resistenzen entwickelt hat, können die Notfallmedikamente gegeben werden.

So schrecklich die verheerenden Auswirkungen einer Pandemie auch sind, die Menschen haben aus jeder Infektionswelle für die Zukunft gelernt, resümiert Dr. Christian Hintze: Nach schweren Typhus-Ausbrüchen wurde klar, dass sauberes Trinkwasser lebenswichtig ist. Seit einer hohen Müttersterblichkeit durch das Kindbettfieber wird auf penible Hygiene im Kreissaal geachtet. Gegen das HI-Virus wurden wirksame Medikamente entwickelt, deren Herstellungstechniken auch bei anderen Erkrankungen nützlich sind. Jahr für Jahr gibt es zudem angepasste Impfstoffe gegen die Influenza – die Menschheit hat verinnerlicht, dass regelmäßige Schutzimpfungen helfen können. Und in Asien hat die Bevölkerung durch die SARS-CoV-1- und die MERS-Pandemie gelernt, schnell zu reagieren und die Ausbreitung des Virus durch umfangreiche Hygienemaßnahmen zu bekämpfen. Dieses Wissen war wertvoll, um SARS-CoV-2 einzudämmen.

Im September ist in Berlin ein neues Pandemiefrühwarnzentrum der WHO eröffnet worden. Es soll künftig schon vor dem Beginn einer Pandemie Alarm schlagen. In dem neuen Zentrum sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem mithilfe von künstlicher Intelligenz Daten von Regierungen und wissenschaftlichen Instituten aus aller Welt auswerten. Dabei soll der Fokus nicht mehr nur auf Gesundheitsinformationen liegen, sondern disziplinübergreifend auch analysiert werden, welchen Einfluss Tiergesundheit, Klimawandelfolgen oder Bevölkerungsverschiebungen auf die mögliche Entstehung einer Pandemie haben könnten. Die Forschenden sollen, basierend darauf, Modelle entwickeln, damit Risiken frühzeitig erkannt und besser eingeschätzt werden können.

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Roche beschäftigt in Deutschland rund 17.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Pharma und Diagnostik. Das Unternehmen ist an den drei großen Standorten in Grenzach-Wyhlen (Roche Pharma AG), Mannheim (Roche Diagnostics GmbH, Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Roche Diabetes Care GmbH sowie Roche Diabetes Care Deutschland GmbH) und Penzberg (Biotechnologie-Kompetenzzentrum, Roche Diagnostics GmbH) vertreten. Die Schwerpunkte erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics: Von Forschung und Entwicklung über Produktion, Logistik bis hin zu Marketing und Vertrieb, wobei jeder Standort neben dem Deutschland-Geschäft auch globale Aufgaben wahrnimmt. Roche bekennt sich klar zu den deutschen Standorten und hat in den letzten fünf Jahren in diese rund 2,6 Milliarden Euro investiert. Weitere Informationen zu Roche in Deutschland finden Sie unter www.roche.de

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