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»Alleinruhelage«
Der neue Roman von Eva Menasse

Die Ehe ist vorbei, das Wochenendhaus geblieben. Zwischen geplatzten Wasserleitungen und polnischen Alleskönnern wird die Renovierung des einstigen Familienidylls zur Lebensinventur. Eine gewitzte Reflexion über Fremdheit, Heimat und das Loslassen.

»Haus, du bist Zeuge von allem gewesen.«

Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen. Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus – und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer »stabilen Alleinruhelage«. Eva Menasse hat einen vielschichtigen Roman über die Zwischenbilanz eines Lebens geschrieben, eine gewitzte Reflexion über Fremdheit und Heimat – und das Abschiednehmen.

Porträt einer Frau mit kurzen lockigen braunen Haaren und rotem Lippenstift, die direkt in die Kamera blickt. Der Hintergrund ist weich unscharf und in hellen Innenraumfarben gehalten.
©Lena Giovanazzi/laif.

Liebe Eva Menasse, wie kam es zum neuen Roman?

»Ich – und vermutlich geht es vielen Kolleginnen ähnlich – suche mir die Bücher nicht aus, sondern sie finden und packen mich. Jedes geschriebene Buch bisher hat einen anderen Plan zerstört, die Pläne sind wohl nur dazu da, zunichtegemacht zu werden.

Auch vor »Alleinruhelage« wollte ich etwas ganz anderes schreiben. Doch dann wachte ich eines Morgens auf und sah im Dämmerlicht über mir die Wörter »Haus, ich verkaufe dich« stehen. Hier war er also, der erste Satz, und in ihm schien mitzuschwingen, dass dieses Haus ein Eigenleben, sogar einen Charakter hat, dass man es ansprechen kann und es zumindest mit Gesichtsausdrücken antwortet. Und das gefiel mir schon.«

Woher kommt der Begriff »Alleinruhelage«?

»Glauben Sie mir, in Österreich gibt es dieses Wort wirklich, nämlich in Immobilienanzeigen. Es ist wohl als Steigerung der gebräuchlichen »Alleinlage« zu verstehen. Wie ruhig es jeder und jede von Ihnen im Leben will, sollten Sie selbst entscheiden. Ich jedenfalls mag Wörter, die anders auszusehen und zu klingen beginnen, wenn man sie nur ein bisschen in sich hin und her bewegt.«

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»Haus, ich verkaufe dich. Ich habe dich oft direkt angesprochen, wenn ich allein kam und du da standst und mich anschautest, undurchdringlich wie ein Gott oder Götze, den man sich erschaffen hat und dessen Ausdruck man eben doch beschreiben könnte, jedes Mal ein bisschen anders, weil er ein Echo des eigenen Zustands ist: Hallo, Haus. Du nicktest und schautest kritisch – weil ich dich lange nicht besucht hatte und alles verwildert war, die exorbitante Zahl der Maulwurfshügel rund um dich herum wie Partyreste der Natur.«

Über die Autorin

Eva Menasse, geboren in Wien, lebt seit über 25 Jahren in Berlin. Ihrem Debüt »Vienna« (2005) folgten Romane und Erzählungen, die vielfach ausgezeichnet und übersetzt wurden. Ihr letzter Roman »Dunkelblum« war ein Bestseller und wurde in zehn Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien der Essay »Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne« (2023). 2025 wurde sie mit dem Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln ausgezeichnet.

Der 1948 gegründete Verlag Kiepenheuer & Witsch mit Sitz in Köln ist ein deutscher Publikumsverlag, der kritische und populäre Sachbücher sowie literarische Werke und unterhaltsame Belletristik von renommierten ebenso wie von jungen Schriftsteller*innen publiziert. Derzeit werden die Bücher von 800 Autor*innen verlegt. Seit 1982 hat der Verlag eine eigene Taschenbuch-Reihe, die KiWi-Paperbacks, und seit 2007 das Berliner Imprint Galiani Berlin.