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Wenn Alt und Jung aufeinandertreffen

Wenn Alt und Jung aufeinandertreffen

Die Zusammenarbeit in altersgemischten Teams kann einige Herauforderungen mit sich bringen.  
Foto fizkes/istock

Diversität wird hochgehalten, doch tun sich Unternehmen wirklich einen Gefallen, wenn sie auf altersgemischte Teams setzen? Die Unterschiede zwischen
den Generationen sind beträchtlich und können Konflikte hervorrufen. In welchen Fällen überwiegen dennoch die Vorteile?  Von Charlotte Schmitz 

Von Charlotte Schmitz

Boomer, Generation Y, Generation X – die Alterskohorten unterscheiden sich nicht nur in der Zahl der Lebensjahre, sondern auch in ihren Werten und Einstellungen. Während die Boomer, die geburtenstarken Jahrgänge von 1946 bis 1964, noch lebten, um zu arbeiten, stellt die Generation Y das Leben deutlich über den Job. Hierzu zählen diejenigen, die nach 1980 geboren wurden. Und die Berufseinsteiger der Generation Z würden am liebsten Leben und Arbeiten harmonisch vereinen.

In den Unternehmen wird der Nachwuchs händeringend gesucht. Die Hochsetzung des Rentenalters und der demographische Wandel haben dazu geführt, dass die Altersdurchschnitte der Belegschaften steigen. Doch was passiert, wenn in ein Team alter Hasen gezielt jüngere Fachkräfte gesetzt werden, um Diversität zu schaffen?

Bindeglieder zwischen den Generationen einsetzen

„Das kann nicht gut gehen“, sagt der Ratinger Unternehmensberater Ralf Overbeck. „In altersgemischten Teams glaubt jeder, dass er im Recht ist. Die Älteren pochen auf ihre Erfahrung und die Jüngeren auf ihr aktuelles Wissen.“ In seinem Beratungsalltag empfiehlt Overbeck eine Teamzusammensetzung mit unterschiedlichen Jahrgängen nur dann, wenn keine Generation in der Mehrheit ist. Ein Team aus lauter Senior­experten, zu dem ein einziger Berufsanfänger kommt, wird nicht funktionieren. „Die Generation X der zwischen 1965 und 1979 Geborenen wird häufig übersehen“, betonte Overbeck, „dabei können gerade Vertreter dieser Alterskohorte als Puffer wirken. Sie teilen sowohl Werte der Älteren wie auch der Jüngeren.“ Außerdem hat die Generation X die Entwicklung von der analogen zur digitalen Welt selbst miterlebt und kann daher vermittelnd zwischen der älteren und den jüngeren Jahrgängen stehen. Wer noch weiß, was ein Telefon mit Wählscheibe ist, aber auch das neueste Smartphone virtuos bedient, spielt hier seine Stärken aus.

Natürlich sind alle Zuordnungen von Personen zu einzelnen Generationen stereotyp und beziehen sich nur auf den Durchschnitt der Altersstufen. Selbstverständlich gibt es flexible, agile und internetaffine Senioren sowie rückwärtsgewandten Nachwuchs. In der Praxis empfehlen Personalberater deshalb, die individuellen Fähigkeiten und Stärken der Mitarbeiter zu betrachten und diese entsprechend zu nutzen. Eine explizite Wertschätzung der Potentiale aller Mitarbeiter kann Alters­diskriminierung vorbeugen. Dies stellt besondere Anforderungen an die Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit insbesondere der Führungskräfte.

Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob altersgemischte Teams die Produktivität und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter heben. Die Mehrzahl der Studien verneint das, doch es gibt auch Untersuchungen, die Vorteile in demographisch heterogenen Arbeitsgruppen erkennen. Es hat sich gezeigt, dass komplexe Aufgaben eher von Teams mit einem hohen Altersdurchschnitt bewältigt werden, während jüngere Mitarbeiter Standardprozeduren schneller erledigen können.

„Ältere Personen in Unternehmen bilden mitunter Allianzen, um ihre Macht abzusichern, und halten die Jüngeren kurz“, hat Florian Becker beobachtet, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Technischen Hochschule Rosenheim. Der Autor des Buches „Teamarbeit, Teampsychologie und Teamentwicklung“ sieht diese Abschottung älterer Mitarbeiter darin begründet, dass sie ihre Erfahrung als wertvolles Wissen betrachten, obwohl diese auch Glaubenssätze enthält, die limitierend wirken können. „Aus dieser Mischung können Konflikte mit jüngeren Teammitgliedern entstehen, die Dinge infrage stellen und vielleicht auch teilweise naiv an diese herangehen.“ Daher könnten sich altersgemischte Teams selbst blockieren.

Florian Becker rät dennoch dazu, die verschiedenen Generationen gemeinsam Aufgaben lösen zu lassen, dies müsse aber richtig angegangen werden. Er nennt zwei Voraussetzungen für das Gelingen der altersübergreifenden Zusammenarbeit: Zum einen müsse bei der Auswahl der Mitarbeiter auf die Persönlichkeitsmerkmale „Offenheit für Neues“ und „Verträglichkeit“ geachtet werden. Zum anderen profitierten Teams von „Brückenmitgliedern“, das sind Personen, die als Bindeglieder zwischen den Generationen wirken und sozusagen die Kleber des Teams sind. Eine Arbeitsgruppe mit zwei jüngeren und zwei älteren Experten wird daher idealerweise mit einem Mitarbeiter mittleren Alters ergänzt, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Generationenfrage als Baustein von Diversität

Neben Geschlecht und Herkunft ist Alter also ein wichtiger Bestandteil heterogener Unternehmenskulturen. Die Generationenfrage ist ein Baustein von Diversität. Welche Konflikte in den Generationenunterschieden schlummern, erklärt Ralf Overbeck, wenn er auf aktuelle Tendenzen verweist. Das lange gültige Senioritätsprinzip bröckelt. Mitarbeiter können also nicht mehr allein aufgrund ihres Alters und ihrer Betriebszugehörigkeit auf Beförderungen oder Gehaltserhöhungen pochen. Da mehr Mitarbeiter in Rente gehen, als jüngere eingestellt werden können, werden letztere in manchen Branchen schneller befördert. Dies kann zu Neiddebatten führen oder unerfahrene Führungskräfte in höhere Ebenen spülen.

„Teamleiter haben heutzutage eine andere Rolle als früher, sie müssen mit dem Team agieren, da die Komplexität zunimmt. Alleine kann niemand mehr die aktuellen Herausforderungen lösen“, sagt der Berater aus Ratingen, der sich auf die Frage altersgemischter Teams spezialisiert hat. Er plädiert dafür, sich mehr Zeit zu nehmen, um einander zuzuhören. Erst die Berücksichtigung aller Perspektiven könne zu einer harmonischen Zusammenarbeit zwischen den Generationen führen. „Wenn wir cleverer wären, würden wir innehalten und den Druck rausnehmen, um uns gegenseitig mehr wertzuschätzen.“

 

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